Temperaturüberwachung

Teil von Temperaturüberwachung Lieferkette Leitfaden für Systeme und Dokumentation

Temperaturüberwachung im Vergleich: Datenlogger oder Funksensoren

Datenlogger oder Funksensoren: Der Vergleich zeigt Genauigkeit, Kosten, Handhabung und Dokumentation, nennt Geräte von Testo und Elpro und erklärt DIN 10508.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Datenlogger speichern Messwerte im Gerät, Funksensoren übertragen sie direkt an eine Plattform.
  • Bei der Genauigkeit liegen beide Bauarten dicht beieinander, DIN 10508 erlaubt höchstens 1 K Abweichung.
  • Datenlogger verursachen einmalige Anschaffungskosten, Funksysteme zusätzlich laufende Kosten für Gateway und Software.
  • Für Transporte ohne Stromanschluss passen Datenlogger, für Kühlräume und Filialen Funksensoren.
  • Die Dokumentation muss in beiden Fällen prüffähig sein, mit Zeitstempel und Kalibriernachweis.

Zwei Messprinzipien, ein Ziel

Ein Datenlogger arbeitet autark. Er misst in festen Intervallen, speichert die Werte im internen Speicher und wird am Zielort ausgelesen, per USB oder als PDF-Datei. Strom und Netz spielen keine Rolle.

Funksensoren senden dagegen laufend. Die Übertragung läuft im 868-MHz-Band, über WLAN oder über LoRa an ein Gateway. Von dort gehen die Werte in eine Software oder Cloud, die Grenzwertverletzungen sofort meldet.

Der Unterschied liegt weniger in der Messung als in der Datenführung. Wer Werte erst nach der Tour auswertet, kommt mit einem Logger aus. Wer eingreifen will, während die Ware noch im Kühlraum steht, braucht Funk.

Für validierte Umgebungen in Pharmazie und Biotechnologie bietet Elpro mit ECOLOG-NET ein Funkmonitoring, das auf GxP-konforme Dokumentation ausgelegt ist (Elpro: Systeme und Datenlogger für die Lieferkette).

Genauigkeit, DIN 10508 und Kalibrierung

DIN 10508 nennt empfohlene Temperaturen für Lebensmittel, darunter -18 °C für Tiefkühlware, +2 °C für Hackfleisch und +8 °C für Milch. Für die Messung gilt eine zulässige Abweichung von höchstens 1 K.

Beide Techniken erfüllen diese Vorgabe. Testo gibt für den Datenlogger 184 T1 einen Messbereich von -35 bis +70 °C und eine Abweichung von ±0,5 °C an. Funkdatenlogger wie der Testo 160 messen in derselben Größenordnung.

Auflösung und Messunsicherheit sind nicht dasselbe. Eine Anzeige mit 0,1 °C Auflösung sagt nichts über die tatsächliche Abweichung im Kühlraum aus.

Entscheidend ist die Kalibrierung. Für Audits zählen rückführbare Zertifikate, die beide Hersteller anbieten. Ein Logger ohne gültigen Nachweis liefert vor der Lebensmittelüberwachung keine belastbare Messkette.

Vergleichstabelle: Genauigkeit, Kosten, Handhabung, Dokumentation

Kriterium Datenlogger Funksensor
Genauigkeit ±0,5 °C typisch ±0,5 °C typisch
Anschaffung einmalig je Gerät Geräte, Gateway, Software
Laufende Kosten gering Abo und Wartung
Handhabung Auslesen nach der Tour Live-Werte, Alarm per E-Mail
Dokumentation PDF-Report mit Zeitstempel lückenlose Zeitreihe in der Cloud
Typischer Einsatz Transport, Wechselbrücke Kühlraum, Filiale, Lager

Die Tabelle zeigt: Der Logger ist günstiger und einfacher, der Funksensor schneller und reaktionsfähiger.

Die Handhabung unterscheidet sich deutlich. Ein Logger wird nach der Tour per USB ausgelesen oder über eine App gestartet, die Datei entsteht erst danach. Ein Funksensor wird einmal eingebucht und liefert danach ohne weitere Handgriffe.

Beispielrechnung für zwanzig Messstellen

Die folgende Beispielrechnung arbeitet mit angenommenen Nettopreisen und dient nur der Größenordnung.

  • Datenlogger: 20 Geräte × 100 Euro netto = 2.000 Euro netto, einmalig, zzgl. 19 % MwSt. (380 Euro), brutto 2.380 Euro.
  • Funksensoren: 20 Sensoren × 120 Euro netto = 2.400 Euro netto, dazu ein Gateway für 600 Euro netto.
  • Software: 40 Euro netto pro Monat, im Jahr 480 Euro netto.
  • Summe Funk im ersten Jahr: 3.480 Euro netto, zzgl. 19 % MwSt. (661,20 Euro), brutto 4.141,20 Euro.

Ab dem zweiten Jahr tragen nur noch die 480 Euro netto Softwarekosten zur Funklösung bei. Beim Logger kommen dann Kalibrierung und Batteriewechsel hinzu.

Bei vierzig Messstellen verschiebt sich das Bild, weil der Softwareanteil gleich bleibt, die Gerätekosten aber steigen.

Welche Technik passt zu welchem Lieferkettenabschnitt

  • Transport im Lkw oder in der Wechselbrücke: Datenlogger, weil sie ohne Strom und Netz auskommen.
  • Kühlraum und Zentrallager: Funksensoren mit Gateway, weil Alarmmeldungen sofort ankommen.
  • Filiale und Frischetheke: Funksensoren für wenige Messstellen, sonst kleine Logger.
  • Pharmatransport: Logger mit Kalibrierzertifikat oder validiertes Funksystem.

Vor der Entscheidung steht die Messstellenliste. Wer den Abschnitt kennt, kennt auch die Anforderung: Transport braucht Netzfreiheit, Lager braucht Reaktionszeit.

Für Sendungen bündeln Anbieter wie Sensitech Logger, Portal und Auswertung in einem Paket, was die Übergabe an den Empfänger vereinfacht (Sensitech: Temperaturüberwachung in der Lieferkette).

Dokumentation und Prüffähigkeit

Die Verordnung (EG) Nr. 852/2004 verlangt eine Temperaturführung, die den Vorgaben der Lebensmittelhygiene entspricht, und Aufzeichnungen darüber (Verordnung (EG) Nr. 852/2004 über Lebensmittelhygiene).

Die LMHV ergänzt das auf nationaler Ebene. Anlage 1 regelt unter anderem die Abgabe leicht verderblicher Lebensmittel und die dafür nötige Kühlung (Anlage 1 der Lebensmittelhygiene-Verordnung).

Aus beiden Vorgaben folgt für die Praxis: Messwerte müssen lückenlos und nachträglich prüfbar sein. Datenlogger liefern das als PDF-Datei, Funklösungen als Zeitreihe in der Datenbank. Entscheidend ist, dass Ausleseintervall und Kalibrierdatum im Bericht stehen.

Bei Funksystemen entsteht die Zeitreihe automatisch, bei Loggern erst beim Auslesen. Dort sollte das Intervall zum Risiko der Ware passen.

Häufige Fragen

Reicht ein Datenlogger für die Dokumentation gegenüber der Lebensmittelüberwachung?

Ja, wenn Ausleseintervall, Gerätekennung und Kalibriernachweis im Bericht stehen und die Aufzeichnung lückenlos ist. Ein PDF-Report mit Zeitstempel erfüllt diese Anforderung.

Wie genau muss ein Messgerät nach DIN 10508 arbeiten?

Die Norm lässt höchstens 1 K Abweichung zu. Logger und Funksensoren mit ±0,5 °C liegen deutlich darunter.

Wann lohnen sich Funksensoren statt Datenloggern?

Wenn mehrere Kühlstellen zentral überwacht werden und Alarme während des Betriebs ankommen sollen, etwa nachts im Kühlhaus. Bei wenigen, weit entfernten Messstellen bleibt der Logger günstiger.

Müssen Funksensoren ebenfalls kalibriert werden?

Ja. Für beide Bauarten gilt ein übliches Intervall von zwölf Monaten, sonst verliert die Aufzeichnung ihre Aussagekraft im Audit.

Lassen sich beide Systeme kombinieren?

Ja, das ist in der Praxis üblich: Funksensoren überwachen feste Kühlstellen, Datenlogger begleiten die Ware auf der Straße.

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