Gewerbekälte
Teil von Gewerbliche Kühlgeräte Leitfaden für Auswahl und Betrieb
Gewerbliche Kühlgeräte im Vergleich: Umluftkühlung oder statische Kühlung
Umluftkühlung und statische Kühlung im Vergleich: Funktionsweise, Einsatzbereiche, Modelle von AHT und Liebherr sowie Stromkosten in Euro pro Jahr.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Statische Kühlung gibt Kälte über Verdampferflächen im Innenraum ab, Umluftkühlung bläst gekühlte Luft mit Ventilatoren durch den Nutzraum.
- Umluftgeräte halten Temperaturen gleichmäßiger und kühlen neue Ware schneller ab, trocknen sie aber stärker aus.
- Statische Truhen und Getränkekühler verbrauchen deutlich weniger Strom als offene Multidecks und Kühlräume.
- AHT Cooling Systems und Liebherr führen beide Bauarten; die Datenblätter nennen Nutzvolumen, Temperaturklasse und Jahresverbrauch.
Zwei Kühlprinzipien mit unterschiedlichem Temperaturprofil
Bei der statischen Kühlung sitzt der Verdampfer als Rohrregister oder Plattenfläche direkt im Nutzraum. Die Luft zirkuliert allein durch natürliche Konvektion, deshalb entsteht zwischen Boden und Decke ein Temperaturgefälle von mehreren Kelvin.
Die Umluftkühlung verlegt den Verdampfer aus dem Nutzraum heraus und führt die gekühlte Luft über Ventilatoren zurück. Diese erzwungene Konvektion hält die Abweichung auf allen Ebenen meist bei etwa einem Kelvin. Neu eingelegte Ware erreicht ihre Zieltemperatur schneller.
Auch die Nebenwirkungen unterscheiden sich. Statische Flächen entziehen der Ware kaum Feuchtigkeit, Fleisch, Käse, Obst und Gemüse bleiben länger saftig. Der Luftstrom der Umluft trocknet unverpackte Ware stärker aus. Bei Umluftgeräten fallen zudem mehr Abtauzyklen an, deren Wärme in den Verkaufsraum gelangt.
Für den Verkauf sind die Temperaturklassen der Norm EN ISO 23953 maßgeblich. Sie beschreiben zulässige Waren- und Lufttemperaturen und gelten für beide Kühlarten.
Gerätelinien von AHT und Liebherr im Vergleich
AHT Cooling Systems führt Truhen der Baureihe ARCTIC für Tiefkühlware und Eis sowie offene Multidecks der Baureihe VENTO für den Verkaufsraum. In Truhen ist die statische Kühlung die Regel. Offene Multidecks arbeiten dagegen mit Umluft und Luftschleier, weil sie sonst keine stabilen Temperaturen halten.
Liebherr bietet gewerbliche Kühl- und Gefriergeräte für Gastronomie, Bäckereien und Handel an, darunter Geräte mit Umluftkühlung für den schnellen Warendurchsatz und statisch gekühlte Getränke- und Vorratskühler. Die Produktübersicht gewerblicher Kühl- und Gefriergeräte von Liebherr nennt je Modell Nutzvolumen, Temperaturbereich und Energieverbrauch. Damit lassen sich beide Kühlarten Datenblatt für Datenblatt gegenüberstellen.
Am aussagekräftigsten ist der Vergleich ähnlicher Nutzvolumina. Eine statische Truhe mit 350 Litern und ein 1,25 Meter breites Umluft-Multideck bedienen unterschiedliche Verkaufsformen, unterscheiden sich aber deutlich beim Strombedarf.
Direkter Vergleich nach Kriterien
| Kriterium | Statische Kühlung | Umluftkühlung | | Temperaturverteilung im Innenraum | Gefälle von mehreren Kelvin | Abweichung um ein Kelvin | | Abkühlung neu eingelegter Ware | langsam | schnell | | Feuchteverlust der Ware | gering | hoch | | Typische Geräte | Truhen, Getränke- und Vorratskühler | Multidecks, Theken, Kühlräume | | Verbrauch pro Jahr | 500 bis 900 kWh | 2.500 bis 3.500 kWh |
Stromkosten und Rechenbeispiel über zehn Jahre
Eine statische Truhe mit 350 Litern liegt bei 500 bis 900 Kilowattstunden im Jahr, ein Umluft-Multideck mit 1,25 Metern Breite bei 2.500 bis 3.500 Kilowattstunden. Verbindlich ist das Produktdatenblatt, denn Umgebungstemperatur, Türöffnungen und Abtauintervall verschieben die Werte im Betrieb.
Beispielrechnung für einen Betrieb mit beiden Geräten, Strompreis 0,25 Euro netto je Kilowattstunde:
- Jahresverbrauch aus dem Datenblatt übernehmen, hier 800 Kilowattstunden für die Truhe und 3.000 Kilowattstunden für das Multideck.
- Differenz bilden, im Beispiel 2.200 Kilowattstunden pro Jahr.
- Mit dem Nettopreis multiplizieren: 550 Euro netto pro Jahr.
- Umsatzsteuer von 19 Prozent aufschlagen: 654,50 Euro brutto pro Jahr.
- Über zehn Jahre hochrechnen, ohne Preissteigerung: 6.545 Euro brutto.
Vorsteuerabzugsberechtigte Betriebe rechnen mit 550 Euro netto im Jahr und 5.500 Euro über zehn Jahre. Die Umsatzsteuer bleibt für sie ein Liquiditätsposten. Steigt der Strompreis auf 0,30 Euro je Kilowattstunde, wächst der jährliche Bruttobetrag auf 785,40 Euro.
Vorgaben aus Ökodesign und Kältemittelrecht
Für gewerbliche Kühlgeräte mit Direktverkaufsfunktion gelten seit 2016 Mindestanforderungen an die Energieeffizienz. Die Ökodesign-Verordnung 2015/1095 legt Verbrauchsgrenzwerte fest und verpflichtet Hersteller zur Angabe von Produktdaten.
Betreiber treffen zusätzlich Pflichten aus der F-Gase-Verordnung, etwa regelmäßige Dichtheitskontrollen nach dem CO2-Äquivalent der Anlage. Das Umweltbundesamt erläutert die Regelungen zu fluorierten Treibhausgasen und nennt Sachkundeanforderungen für Kältefachbetriebe.
Wie stark Temperatur und Luftfeuchte die Haltbarkeit von Lebensmitteln bestimmen, beschreibt die Verbraucherzentrale in ihren Hinweisen zu Lebensmitteln.
Häufige Fragen
Wann ist statische Kühlung die richtige Wahl?
Bei Truhen, Getränkekühlung und unverpackter Ware, die nicht austrocknen soll. Diese Geräte verbrauchen weniger Strom, kühlen aber träger ab und eignen sich kaum für den offenen Verkauf mit häufigem Nachlegen.
Wann ist Umluftkühlung sinnvoll?
Bei offenen Multidecks, Theken und Kühlräumen, weil dort nur ein geführter Luftstrom stabile Temperaturen sichert. Der höhere Verbrauch muss über Umsatz und Warenpräsentation getragen werden.
Wie viele Kilowattstunden trennen beide Bauarten?
Bei vergleichbarer Nutzung liegt die Spanne bei rund 1.600 bis 2.600 Kilowattstunden pro Jahr. Bei 0,25 Euro netto je Kilowattstunde und 19 Prozent Umsatzsteuer entspricht das etwa 476 bis 774 Euro brutto.
Was gehört ins Lastenheft für die Beschaffung?
Angaben zu Temperaturklasse, Nutzvolumen, Kältemittelmenge und Verbrauch in Kilowattstunden pro Jahr. Werte aus dem Produktdatenblatt sind belastbarer als Katalogspannen.