Kühltransport

Teil von Kühltransport organisieren Leitfaden für Fahrzeuge und Temperaturführung

Kühltransport im Vergleich: eigene Flotte oder Speditionsdienstleister

Kühltransport im Vergleich: eigene Kühlflotte oder Spedition? Kosten, Beispielrechnung in Euro, ATP-Vorgaben und Anbieter für die Entscheidung.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Eine eigene Kühlflotte ist im Rechenbeispiel bei 45.000 Kilometern im Jahr teurer als der Einkauf bei Speditionen, bei 70.000 Kilometern kippt das Verhältnis.
  • Beide Wege unterliegen denselben Temperaturvorgaben aus ATP-Abkommen und EU-Hygienerecht.
  • Fahrzeugtechnik liefern Thermo King und Carrier Transicold, Transportleistungen bieten DSLV-Mitglieder.
  • Fixkosten für Fahrzeug, Kältewartung und Fahrer tragen Betriebe selbst, Speditionen rechnen je Sendung ab.
  • Die Nachweispflicht für die Kühlkette bleibt beim Auftraggeber, auch im fremden Fahrzeug.

Was ATP und EU-Hygienerecht vorgeben

Das ATP-Abkommen der UNECE legt fest, welche Temperaturen Fahrzeuge bei internationalen Transporten verderblicher Lebensmittel einhalten müssen und wie Kühlaggregate geprüft werden. Es greift unabhängig davon, ob ein Betrieb selbst fährt oder eine Spedition beauftragt.

In Deutschland ergänzt die Lebensmittelhygieneverordnung diesen Rahmen um Vorgaben zur Temperaturführung und zur Hygieneschulung des Personals, das mit leicht verderblicher Ware umgeht.

Auf EU-Ebene verlangt die Verordnung 852/2004, dass Lebensmittelunternehmer die Kühlkette auf allen Stufen beherrschen und belegen können.

Die Dokumentationspflicht bleibt in beiden Modellen beim Auftraggeber. Eine Spedition kann Messwerte liefern, ersetzt aber nicht die Verantwortung des Lebensmittelunternehmers.

Beispielrechnung für ein Kühlkofferfahrzeug

Angenommen werden ein 7,5-Tonnen-Kühlkoffer mit Kühlaggregat für 95.000 Euro netto, also 113.050 Euro brutto bei 19 Prozent Umsatzsteuer, eine Abschreibung über sieben Jahre und 45.000 Kilometer Fahrleistung im Jahr. Die Werte sind eine Beispielrechnung, keine Marktpreise.

  • Abschreibung: 13.571 Euro netto, 16.150 Euro brutto je Jahr
  • Diesel: 45.000 Kilometer bei 22 Litern je 100 Kilometer und 1,70 Euro je Liter, also 16.830 Euro brutto je Jahr
  • Kältewartung, Reifen und Verschleiß: 4.000 Euro netto, 4.760 Euro brutto je Jahr
  • Versicherung und Kfz-Steuer: 2.400 Euro netto, 2.856 Euro brutto je Jahr
  • Fahrerlohn mit Sozialabgaben: 52.000 Euro brutto je Jahr

Daraus ergeben sich rund 92.600 Euro brutto pro Jahr und etwa 2,06 Euro je gefahrenem Kilometer. Bei 70.000 Kilometern steigen nur die Dieselkosten, auf 26.180 Euro brutto. Die Summe liegt dann bei rund 101.900 Euro, je Kilometer sind es etwa 1,46 Euro. Vorsteuerabzugsberechtigte Betriebe mindern die Belastung um die Umsatzsteuer.

Was Speditionen berechnen

Speditionen kalkulieren temperaturgeführte Transporte je Sendung, je Stellplatz oder je Kilometer. Für die Gegenrechnung wird ein Satz von 1,80 Euro brutto je Kilometer angenommen. Bei 45.000 Kilometern ergibt das 81.000 Euro im Jahr, bei 70.000 Kilometern 126.000 Euro.

Der Satz ist Verhandlungsmasse. Temperaturbereich, Zeitfenster, Rückladung und Vertragsvolumen verschieben ihn. Anbieter finden Betriebe über den DSLV Bundesverband Spedition und Logistik und dessen Mitgliedsbetriebe.

Der Vorteil liegt in der Variabilität. Fällt eine Tour aus, entfällt die Rechnung. Auslastungsspitzen und Sonderziele lassen sich kurzfristig abdecken, ohne Kapital zu binden.

Der Nachteil liegt in der Steuerung. Abholzeiten, Laderaumtemperatur und Dokumentation hängen vom Partner ab. Kontrollen, Audits und Vertragsstrafen sollen die Qualität sichern.

Eigene Flotte und Spedition im direkten Vergleich

Kriterium Eigene Kühlflotte Speditionsdienstleister
Kapitalbindung 95.000 Euro netto je Fahrzeug keine
Kostenverlauf überwiegend fix variabel je Sendung
Kosten je Kilometer 2,06 Euro brutto bei 45.000 Kilometern, 1,46 Euro brutto bei 70.000 Kilometern 1,80 Euro brutto im Rechenbeispiel, unabhängig von der Auslastung
Auslastungsspitzen nur über Zukauf lösbar kurzfristig erweiterbar
Temperaturkontrolle vollständig im eigenen Haus beim Dienstleister, Nachweis über den Auftrag

Fahrzeugtechnik und Kühlgeräte

Kühlaggregate für Kofferfahrzeuge und Auflieger kommen unter anderem von Thermo King und von Carrier Transicold. Das Aggregat bestimmt, welcher Temperaturbereich dauerhaft haltbar ist und wie schnell der Laderaum nach dem Öffnen wieder herunterkühlt.

Für gewerbliche Kühlgeräte am Standort gelten zusätzlich die Ökodesign-Anforderungen der EU an Energieeffizienz und Leistungsangaben, festgehalten in der Verordnung 2015/1095.

Häufige Fragen

Ab welcher Fahrleistung lohnt sich eine eigene Kühlflotte?

Im Rechenbeispiel liegt die eigene Flotte bei 45.000 Kilometern mit 2,06 Euro brutto je Kilometer über dem Speditionssatz von 1,80 Euro. Bei 70.000 Kilometern sinkt der Wert auf 1,46 Euro. Entscheidend sind stetige Auslastung und planbare Touren.

Wer haftet, wenn die Kühlkette im fremden Fahrzeug bricht?

Die lebensmittelrechtliche Verantwortung nach Verordnung 852/2004 bleibt beim Lebensmittelunternehmer, der die Ware vertreibt. Die Spedition haftet nach Vertrag. Temperaturlogger, Übergabeprotokolle und Prüfintervalle gehören deshalb in die Vereinbarung.

Welche Temperaturen schreibt das ATP-Abkommen vor?

ATP arbeitet mit Temperaturklassen. Für Tiefkühlware gilt in der Regel minus 18 Grad Celsius oder kälter, für gekühlte Ware ein erzeugnisabhängiger Bereich um null bis plus vier Grad Celsius. Die Klasse steht auf dem ATP-Zertifikat des Fahrzeugs.

Wie lässt sich die Temperatur im fremden Fahrzeug nachweisen?

Über Temperaturlogger im Laderaum, Übergabeprotokolle und die Auswertung der Aggregatdaten. Wer regelmäßig einkauft, sollte Messwerte je Tour verlangen und stichprobenartig prüfen.

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